03. Juni 2009
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„Man sieht nur einen rostigen Klumpen“
Kirchengemeinde Uttum sucht Wege, um Sanierung von kaputten Glocken zu finanzieren.
Uttum. Einst gehörten die drei Glocken zu den besten im Lande, machten der Sage nach sogar die Auricher neidisch: Das Geläut der reformierten Kirche von Uttum schweigt jedoch seit einiger Zeit. An zwei von den drei Glocken haben Sachverständige Schäden im Material und an der Aufhängung festgestellt, sagte Pastor Hartmut Schaudinn: „Man sieht nur einen großen rostigen Klumpen.“ Dass sie möglicherweise gar absturzgefährdet sind, konnte Schaudinn nicht bestätigen. Herausfordern wolle man dies aber nicht.
Die „Marienglocke“, die im Jahr 1465 von dem berühmten Bremer Glockengießer Ghert Klinghe gegossen wurde, ist die wertvollste Glocke im Geläut. Sie muss in der Glockenwerkstatt Lachenmeyer in Nörtlingen generalüberholt werden. An ihr sind die Jahrhunderte nicht spurlos vorübergegangen, so Schaudinn. Der Kopf wurde im 20. Jahrhundert „gekröpft“, das heißt der Angelpunkt tiefergelegt, und es wurden neue Löcher hineingebohrt. Gleichzeitig muss geprüft werden, wie stark die Glocke bereits durch den Klöppel ausgeschlagen ist. Den Grund weiß heute niemand mehr.

Elf Zentner Gewicht

Die zweite kaputte Stahlglocke wiegt elf Zentner, stammt aus dem Jahr 1959 und wurde in Bockenem im Harz gefertigt. Sie muss vermutlich sogar völlig ersetzt werden. „Sie hatte ohnehin nur eine Lebensdauer von 50 Jahren und die ist längst erreicht“, erklärt Schaudinn. Möglicherweise nahm sie den Platz einer älteren Glocke ein, die 1643 geborsten ist.
Die dritte Glocke aus dem Jahr 1659 stammt von dem Glockengießer Godfried Baulard Lotharingius, der damals eine noch ältere Glocke aus dem Jahr 1318 einschmolz, um die Nachfolgerin zu gießen. Sie scheint noch intakt zu sein, sagte Schaudinn. Ebenso verhält es sich mit einer vierten - der Stundenglocke von 1444. Sie ist der Heiligen Katharina geweiht und versieht noch ihren Dienst.
Nach Vergleichen mit anderen Glockensanierungen - etwa in Ditzum - rechnet Schaudinn mit Kosten bis zu 30 000 Euro. Fraglich sei dann noch, ob bei den erforderlichen Arbeiten weitere Schäden und Reparaturen am Glockenturm akut werden.

Wenig Platz

Ein grundsätzliches Problem dabei werde es sein, die Glocken überhaupt erst aus dem Glockenstuhl herauszuholen. Auf dem Uttumer Friedhof ist es sehr eng, ein Kranwagen hätte dort gar keinen Platz. Das wurde bereits bei der Montage des restaurierten Wetterhahns vor anderthalb Jahren deutlich.
Gegossen hatte der Bremer Glockengießer Klinghe die Marienglocke als „Scheidglocke“, die am Freitag zur Sterbestunde Christi geläutet wurde. Klinghe hat auch viele Taufbecken in den Kirchen der Krummhörn hergestellt - als umgekehrte Glocken. Sein Name steht auf der Glocke, neben der weiteren Aufschrift in Latein: „Ich heiße Maria. Die Uttumer haben mich gießen lassen zur unserer lieben Frau Ehre. Gestorbene beklag ich. Lebende ruf ich. Blitze brech ich.“
Der Glockenturm aus dem Jahr 1527 selbst ist jünger als die Kirche, die 1250 gebaut wurde. Im Jahr 1930 wurde aus baulichen Gründen ein Stockwerk abgetragen. „Die Kirche sah damals etwa so aus wie die Groothuser Kirche.“
Die Kirchenglocken müssen vorher an anderer Stelle gehangen haben - oder seien vielleicht auch aus den zerstörten Klöstern nach Uttum heimgeholt worden.
ggm
Emden vom Mittwoch, 3. Juni 2009, Seite 3 (522 Views)

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