13. März 2019
Auswahl
Ansicht
Sonstiges
 
 

Mehr Fälle von Kinderpornografie

Inspektion Aurich/Wittmund zog jetzt mit der jährlichen Statistik die Bilanz über Straftaten 2018.

Von MARTINA RICKEN

Aurich/Wittmund. Die Fälle von Kinderpornografie sind auch in den Landkreisen Aurich und Wittmund gestiegen. Gab es 2017 noch 26 Fälle, waren es ein Jahr später 36 Fälle. Das teilten die Ermittler der Polizeiinspektion Aurich jetzt bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für das Jahr 2018 mit .

Der Bereich Kinderpornografie gilt als arbeitsintensiv und belastet die Beamten auch mental sehr, stellte Sachbearbeiter Klaus Wodtka fest. In der Statistik tauchten zwar „nur 36 Fälle” auf, hinter denen sich jedoch Tausende von Dateien verbergen. Diese müssen aufbereitet und gesichtet werden, so Wodtka. In einem Fall betrage das Datenvolumen vier Terrabyte, bei 380 000 Dateien, davon 4800 Videos. „Wenn ich nur eine Sekunde auf jedes Bild schaue, bin ich damit 100 Stunden beschäftigt“, rechnete der Ermittler vor .

Ziel sei es, die Täter zu fassen, die kinderpornografische Dateien austauschen oder produzieren. Dabei machen sich auch Menschen strafbar, die ohne ihr Zutun solche Dateien zugeschickt bekommen, wie es in einer WhatsApp-Gruppe geschehen sei. Wodtka betonte: „Besitz und Verbreiten ist strafbar. Jeder Verstoß wird verfolgt.“

Grundsätzlich sieht Stefan Zwerg, stellvertretender Inspektionsleiter, die beiden Landkreise seit Bestehen der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund so sicher wie nie zuvor. Es gab nie so wenige Straftaten, nie eine so hohe Aufklärung, teilte Zwerg mit, der den Zentralen Kriminal- und Ermittlungsdienst leitet .

Die Arbeit wird deshalb aber nicht weniger. Denn einzelne Ermittlungsverfahren stellen sich komplexer und langwieriger als früher dar. Die gesunkene Kriminalitätsrate will die Polizei nutzen, um ihre Arbeit in bestimmten Bereichen zu verstärken. Es sollen Ermittlungsgruppen gegründet werden, die intensiver auf das eine oder andere Kriminalitätsfeld schauen. Die Erfolge solcher Ermittlungsgruppen zeige sich insbesondere im Bereich der Wohnungseinbrüche, die nun auf niedrigstem Stand sind .

M In der Bilanz der Inspektion wurden 12 454 Straftaten gezählt, 347 Taten weniger als 2017. Die Aufklärungsquote stieg von 66,31 auf 68,10 Prozent. Sie nimmt damit einen Spitzenplatz im Vergleich mit der Aufklärungsquote im Land Niedersachsen (62,81 Prozent) und der Polizeidirektion Osnabrück (63,64 Prozent) ein. Das sei ein Verdienst der Ermittler, der Polizeistationen und des Streifendienstes. Und auch Bürger hätten ihren Anteil, die zu Hinweisen zur Sicherheit beitragen .

M Diebstahl: Der niedrigste Stand von 2017 mit 4198 Taten verringerte sich im letzten Jahr weiter auf 3835 Taten. Auch Wohnungseinbrüche gingen um elf Prozent auf 200 Taten zurück. Bei Tageswohnungseinbrüchen sank die Zahl sogar um 21 Prozent. „Die Präventionsarbeit trägt Früchte“, stellte Stephan Zwerg fest. Auch Sicherungsmaßnahmen und aufmerksame Nachbarn erwiesen sich als effektiv .

M Rohheitsdelikte: Noch nie wurden so wenige Körperverletzungen (1616 Taten) gezählt. In 60 Prozent aller Fälle war Alkohol im Spiel. Raubtaten auf offener Straße gab es 15 Mal .

Allerdings nahm die häusliche Gewalt um 27 auf 578 Fälle zu. „In zehn bis zwölf Prozent werden Männer zu Opfern“, wusste Stephan Zwerg zu berichten. Das Dunkelfeld liege höher. Der Anstieg der Zahlen könnte mit verändertem Anzeigeverhalten zusammenhängen. Immer mehr Migrantinnen würden sich öffnen und sich an die Polizei wenden. Eine Rolle könnte spielen, dass von häuslicher Gewalt Betroffene wirtschaftlich nicht mehr so abhängig seien wie früher .

M Gewalt gegen Polizisten: Opfer von Gewalt sind in erheblichem Maße auch Polizisten. 38 Beamte und Beamtinnen wurden 2018 bei 66 Taten verletzt. Ein Beamter, so Stephan Zwerg, wurde hinterrücks angegriffen, nachdem ein Einsatz wegen Ruhestörung eigentlich schon beendet war. Der Polizist stürzte und brach sich die Hand. In drei Fällen wurden Polizisten sogar mit Gegenständen angegriffen .

M Stalking-Delikte sind extrem angestiegen. Dabei spielt das Internet eine große Rolle. Aber es steigt auch das Selbstbewusstsein, die Taten bei der Polizei anzuzeigen. Cybercrime ist ein weites Feld, das für die Polizei sehr arbeitsintensiv ist. In 139 Fällen ging es um Hacking und Spionage. Weit größer ist das Feld von Internetbetrug, Beleidigungen in Sozialen Netzwerken und ähnlichen Delikten in den Neuen Medien. Hier stieg die Zahl um 50 Fälle auf 1009 Taten an .

M Drogendelikte sind von 870 auf 964 angewachsen. Hier sei die Polizei „intensiv dabei“, sagte Stephan Zwerg. Die Polizei Wittmund habe 2018 eine Bande geschnappt und elf Kilo Kokain sichergestellt. „Kokain und Amphetamine erleben eine Renaissance“, sagte Stephan Zwerg. Es gebe zunehmend auch Anrufe von Eltern, die aus Verzweiflung die eigenen Kinder anzeigen würden .

M Stabil geblieben sind die Zahlen der Straftaten, die von Nichtdeutschen und Kindern oder Jugendlichen begangen wurden. Von 6000 Tatverdächtigen handele es sich in 866 Fällen um Nichtdeutsche. Bei den Kindern und Jugendlichen gebe es im Jahr etwa zwölf bis 14 Intensivtäter .

M Hinzu kommen die Fahndungen, Todesermittlungen und Vermisstenfälle. Die Todesermittlungen nahmen durch eine Änderung des Bestattungsgesetzes zu – eine Folge der Mordserie durch den Krankenpfleger Nils Högel. Die Vermisstenfälle stiegen an, weil zunehmend externe Jugendeinrichtungen aus anderen Bundesländern in Ostfriesland ihre Zelte aufschlagen. Die dort untergebrachten Jugendlichen machen sich oft aus dem Staub zurück in ihre alte Umgebung. Die Polizei muss nach ihnen suchen, ebenso wie nach Personen, gegen die Haftbefehle vorliegen. „Das hat uns bis nach Süddeutschland geführt“, erzählte Stefan Zwerg. 1184 Haftbefehle wurden vollstreckt .

Emden vom Mittwoch, 13. März 2019, Seite 3 (5 Views)

ZURÜCK ZUR SEITE

 
 

<   März   >
Mo Di Mi Do Fr Sa So
        1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31