13. März 2019
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Zerrbild des Lebens

Nicole Kidman, so fertig wie nie zuvor: „Destroyer“.

Von UWE LIPPICK

Die Augen sind ausgedörrt, von schwarzen Ringen eingekreist. Der Körper steht unter Anspannung, Alkohol und Schlafentzug sind überall sichtbar. So kaputt wie hier war Nicole Kidman im Kino noch nie zu sehen. Ihre Figur Erin Bell ist völlig fertig. Als Mensch ist sie nur noch ein Wrack ihrer selbst. Der körperliche Zerfall schmerzt beim Zugucken. Der Grund dafür liegt in der Vergangenheit und wird in dem schwer verdaulichen Polizei-Drama „Destroyer“ in Rückblenden ausgerollt.

Und so erfahren wir, dass Bell als verdeckte Ermittlerin eingesetzt wurde. „Die wird gut aussehen neben dem Jungen“, so die Kollegen über sie in einer Erinnerungsszene. Erin Bell und ihr FBI-Partner (Sebastian Stan) sollen eine Gang infiltrieren, die systematisch Banken ausraubt. Die Unterwanderung geht aber schief, der Partner stirbt. Bell findet danach nur schwer ins Leben zurück, wird geplagt von Schuldgefühlen. Der einzige Antrieb im hier und jetzt: Den Anführer der Gang (Toby Kebbell) finden, der für den Tod ihres Partners von damals verantwortlich ist.

„Destroyer“ ist schauspielerisch brillant, bleibt beim Betrachter als Polizei-Thriller aber wuchtig und schwermütig zurück. Das liegt an der kompromisslosen Figur, die Nicole Kidman zwar wie ein instinktgetriebenes Raubtier ausfüllt, die zugleich aber völlig hoffnungslos daherkommt. Das Verhältnis zur eigenen Tochter (Jade Pettyjohn) ist völlig zerrüttet. Durch den Suff und ihre systematische Selbstzerstörung ist sie im Kollegenkreis allenfalls noch geduldet.

Der Film bezieht seine Atmosphäre ausschließlich aus dem unglaublich intensiven Spiel von Kidmans düsterem Zerrbild des Lebens. Als geschundene FBI-Agentin kommt sie dem lang gejagten Mörder schließlich auf die Spur und zieht alle Lebensenergie nur noch aus dem Jagdtrieb und ihrer Selbstbestrafung. Die Mischung aus Schuld und Sühne ist von Regisseurin Karyn Kusama gnadenlos inszeniert. Der Film lässt Kidmans Figur wie eine bereits Verstorbene durch die Straßen von Los Angeles torkeln, ohne Hoffnung aufkommen zu lassen. Denn auch die über Rückblenden erzählte Rachegeschichte führt die Figur nicht in die Erlösung aus dem selbst verordneten Schuldkomplex. Das aber macht die Kompromisslosigkeit so hart, dass der Zuschauer keine Beziehung zur Titel-Figur aufbauen kann.

Fazit: Extremes Schauspiel einer so nie gesehenen Nicole Kidman in einem schwerlastigen Seelen-Drama.

Aurich vom Mittwoch, 13. März 2019, Seite 2 (5 Views)

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